Propolis bei Ohrenentzündungen: Was ist wirklich bekannt?
Propolis ist eines der interessantesten Produkte aus dem Bienenstock. Immer wieder findet man im Internet auch Empfehlungen, Propolis bei Ohrenentzündungen einzusetzen.
Doch ist das tatsächlich sinnvoll? Kann Propolis eine Mittelohrentzündung behandeln oder sogar verhindern?
Die Antwort ist differenzierter: Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen zu Propolis und einzelnen darin enthaltenen Stoffen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Propolis eine akute Ohrenentzündung zuverlässig behandelt oder eine ärztlich empfohlene Therapie ersetzen kann.
Was ist eine Mittelohrentzündung?
Eine akute Mittelohrentzündung – medizinisch Otitis media – tritt besonders häufig bei Kindern auf.
Typische Beschwerden können unter anderem Ohrenschmerzen, Druckgefühl im Ohr, Fieber oder vorübergehende Hörprobleme sein.
Viele akute Mittelohrentzündungen bessern sich innerhalb weniger Tage von selbst. Ob weitere Behandlung oder in bestimmten Fällen ein Antibiotikum notwendig ist, hängt unter anderem vom Alter, den Beschwerden und dem Verlauf ab.
Warum wird Propolis mit Ohrenentzündungen in Verbindung gebracht?
Propolis ist eine harzartige Substanz, die Bienen aus pflanzlichen Harzen herstellen und im Bienenstock verwenden.
Besonderes wissenschaftliches Interesse gilt verschiedenen Inhaltsstoffen von Propolis. Dazu gehört beispielsweise CAPE – Caffeic Acid Phenethyl Ester, auf Deutsch Kaffeesäurephenethylester.
In Laboruntersuchungen wurde unter anderem untersucht, wie CAPE auf Entzündungsprozesse in kultivierten Zellen des Mittelohrs wirkt. Solche Ergebnisse sind wissenschaftlich interessant, bedeuten aber noch nicht, dass eine Propolis-Tinktur eine Ohrenentzündung beim Menschen behandeln kann.
Was sagen Studien mit Menschen?
Es gibt auch einzelne klinische Untersuchungen.
Eine Studie untersuchte beispielsweise bei Kindern mit wiederkehrenden akuten Mittelohrentzündungen eine Kombination aus Propolis und Zink. Dabei ging es um die mögliche Vorbeugung wiederkehrender Erkrankungen – nicht um die Behandlung einer akuten Ohrenentzündung mit gewöhnlichen Propolis-Tropfen.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Aus solchen Untersuchungen kann man keine allgemeine Empfehlung ableiten, bei Ohrenschmerzen oder Mittelohrentzündung Propolis einzunehmen oder ins Ohr zu geben.
Propolis-Tinktur nicht ins Ohr tropfen
Eine gewöhnliche Propolis-Tinktur ist kein Ohrentropfen.
Viele Propolis-Tinkturen enthalten hochprozentigen Alkohol und wurden zur Verwendung als Nahrungsergänzungsmittel beziehungsweise entsprechend ihrer jeweiligen Produktkennzeichnung hergestellt.
Sie sollten deshalb nicht eigenständig in den Gehörgang getropft werden.
Bei Ohrenschmerzen oder Verdacht auf eine Ohrenentzündung sollte zunächst geklärt werden, welcher Teil des Ohres betroffen ist und was die Ursache der Beschwerden ist. Die Behandlung einer Mittelohrentzündung unterscheidet sich beispielsweise von jener einer Entzündung des äußeren Gehörgangs.
Wann sollte man bei Ohrenschmerzen zum Arzt?
Besonders bei Kindern sollte auf den Verlauf der Beschwerden geachtet werden.
Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere wichtig, wenn starke oder anhaltende Schmerzen auftreten, Fieber hinzukommt, Flüssigkeit aus dem Ohr austritt, sich das Hörvermögen verändert oder sich der Allgemeinzustand deutlich verschlechtert.
Auch bei kleinen Kindern und wiederkehrenden Ohrenentzündungen sollte medizinischer Rat eingeholt werden.
Kann Propolis eine ärztliche Behandlung ersetzen?
Nein.
Propolis sollte nicht als Ersatz für die Diagnose oder Behandlung einer Ohrenentzündung betrachtet werden.
Ob eine akute Mittelohrentzündung lediglich beobachtet werden kann oder eine medikamentöse Behandlung notwendig ist, sollte anhand der individuellen Situation entschieden werden.
Auch Antibiotika sind nicht bei jeder Mittelohrentzündung automatisch erforderlich. Das österreichische Gesundheitsportal weist darauf hin, dass viele akute Mittelohrentzündungen innerhalb weniger Tage von selbst abheilen und Antibiotika nur in bestimmten Situationen sinnvoll sind.
Forschung zu Propolis richtig einordnen
Bei Bienenprodukten werden häufig interessante Ergebnisse aus Labor- oder Tierstudien veröffentlicht.
Solche Untersuchungen sind wichtig für die Forschung. Für Verbraucher ist jedoch entscheidend, zwischen verschiedenen Ebenen wissenschaftlicher Evidenz zu unterscheiden.
Ein Effekt:
- an isolierten Zellen im Labor,
- bei Tieren,
- in einer kleinen klinischen Studie,
- oder in mehreren hochwertigen Studien am Menschen
ist nicht dasselbe.
Deshalb sollte aus einem interessanten Laborergebnis nicht unmittelbar die Aussage entstehen, ein bestimmtes Bienenprodukt könne eine Erkrankung behandeln.
Genau diesen Unterschied möchten wir auch bei unseren eigenen Informationen über Bienenprodukte transparent machen.
Was ist Propolis eigentlich?
Unabhängig von medizinischen Versprechen bleibt Propolis ein faszinierendes Naturprodukt.
Bienen sammeln Harze von Pflanzen und verarbeiten sie zu einer charakteristischen harzartigen Masse, die sie im Bienenstock unter anderem zum Abdichten kleiner Öffnungen verwenden.
Propolis kann anschließend vom Imker gewonnen und beispielsweise zu einer Propolis-Tinktur verarbeitet werden.
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, lesen Sie unseren Artikel „Propolis: Was ist das Bienenharz und wie wird es verwendet?“
Weitere praktische Informationen finden Sie auch in unserem Beitrag „Propolis-Tropfen täglich einnehmen? Was Sie beachten sollten“.
Fazit: Propolis und Ohrenentzündungen
Wissenschaftliche Untersuchungen zu Propolis und einzelnen Propolis-Inhaltsstoffen sind interessant und werden weiterhin erforscht.
Nach dem derzeitigen Wissensstand sollte Propolis jedoch nicht als bewiesene Behandlung einer akuten Ohrenentzündung dargestellt werden.
Bei Ohrenschmerzen – insbesondere bei Kindern – ist eine korrekte Diagnose wichtiger als die eigenständige Behandlung mit einem Naturprodukt.
Und ganz wichtig:
Eine gewöhnliche alkoholische Propolis-Tinktur gehört nicht ins Ohr.
