Bienen auf den Winter vorbereiten: Der komplette Ratgeber zum Einwintern
Eine erfolgreiche Überwinterung beginnt nicht erst mit dem ersten Frost. Die entscheidenden Arbeiten erfolgen bereits nach der letzten Honigernte. Dann bleibt noch genügend Zeit, um den Gesundheitszustand der Bienenvölker zu beurteilen, den Befall mit Varroa destructor zu reduzieren, die Wintervorräte zu ergänzen und die Beuten auf die kalte Jahreszeit vorzubereiten.
Das Ziel ist ein gesundes, ausreichend starkes und weiselrichtiges Bienenvolk mit genügend gut erreichbarem Futter. Die Beute muss stabil, trocken sowie gegen Wind, Niederschlag und Schädlinge geschützt sein. Einen einzigen richtigen Termin, eine pauschale Futtermenge oder eine feste Anzahl an Zargen gibt es jedoch nicht. Entscheidend sind unter anderem das Rähmchenmaß, die Volksstärke, der Trachtverlauf, das örtliche Klima, die Höhenlage und die verwendete Betriebsweise.
In diesem Ratgeber erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie Ihre Bienenvölker von der Kontrolle nach der Honigernte bis zur schonenden Winterüberwachung vorbereiten.
Was braucht ein Bienenvolk vor dem Winter?
Vor Beginn einer längeren Kälteperiode sollten fünf grundlegende Voraussetzungen erfüllt sein:
| Bereich | Ziel vor dem Winter |
|---|---|
| Gesundheit | Probleme frühzeitig erkennen und Varroa nach den aktuellen Vorgaben wirksam kontrollieren |
| Volksstärke | Genügend gesunde und langlebige Winterbienen |
| Königin | Eine funktionierende Königin und eine zur Jahreszeit passende Brutentwicklung |
| Vorräte | Ausreichend geeignetes und für die Wintertraube erreichbares Futter |
| Beute | Eine stabile, trockene und belüftete Beute mit Schutz vor Wetter und Schädlingen |
Fehlt eine dieser Voraussetzungen, kann das Volk im Winter stark an Substanz verlieren, seine Vorräte zu früh verbrauchen oder eingehen – selbst wenn andere Teile der Vorbereitung richtig ausgeführt wurden.
Wann sollte man mit dem Einwintern beginnen?
Die Vorbereitungen beginnen in der Regel unmittelbar nach der letzten geplanten Honigernte. In vielen Regionen Österreichs fällt dieser Zeitpunkt in die zweite Sommerhälfte. Der genaue Termin hängt jedoch von der örtlichen Tracht und vom Wetter ab.
Ein starrer Kalender passt nicht zu jedem Bienenstand. In einer warmen Weinbauregion gelten andere Bedingungen als in einem alpinen Tal. Wichtiger als ein fixes Datum ist deshalb die richtige Reihenfolge:
-
nach der letzten Honigernte jedes Volk vollständig beurteilen,
-
den Varroabefall ermitteln und eine geeignete Maßnahme wählen,
-
die Futtervorräte kontrollieren und rechtzeitig ergänzen,
-
den Beutenraum anpassen und die Königin beurteilen,
-
die Beute vor anhaltender Kälte gegen Witterung und Schädlinge sichern,
-
die Völker im Winter kontrollieren, ohne sie unnötig zu stören.
Je später ein ernstes Problem erkannt wird, desto kleiner wird der Handlungsspielraum. Das gilt besonders bei starkem Varroabefall, fehlenden Vorräten und einer nicht ausreichend funktionierenden Königin.
1. Jedes Bienenvolk nach der Honigernte kontrollieren
Der erste Schritt ist nicht die Fütterung, sondern eine gründliche Bestandsaufnahme. Führen Sie diese Kontrolle durch, solange die Witterung das Öffnen des Brutraums erlaubt, ohne die Brut unnötig auszukühlen.
Achten Sie besonders auf:
-
die von Bienen besetzte Fläche,
-
Umfang und Anordnung der Brut,
-
Eier und junge Larven als indirekten Hinweis auf eine legende Königin,
-
ein geschlossenes oder auffällig lückenhaftes Brutbild,
-
verdeckelte und offene Futtervorräte,
-
vorhandene Pollenvorräte,
-
Anzeichen von Virus-, Bakterien-, Pilz- oder Parasitenerkrankungen,
-
den Zustand von Waben, Boden, Zargen und Dach,
-
ungewöhnliches Verhalten, Räuberei oder einen auffälligen Rückgang der Volksstärke.
Honig in der Beute allein bedeutet noch nicht, dass das Volk winterbereit ist. Die Vorräte müssen ausreichend und für die Wintertraube erreichbar sein. Auch ein im Sommer stark erscheinendes Volk kann mit geschädigten Winterbienen in die kalte Jahreszeit gehen, wenn es unter hohem Varroabefall oder einer anderen Erkrankung leidet.
Kontrollen dokumentieren
Notieren Sie für jedes Volk das Datum, den Futterstand, das Ergebnis der Varroakontrolle, das eingesetzte Tierarzneimittel und die Beobachtungen zur Königin. Aufzeichnungen erleichtern den Vergleich zwischen den Völkern und verhindern, dass eine notwendige Maßnahme vergessen wird.
2. Varroa rechtzeitig kontrollieren
Die Varroamilbe Varroa destructor gehört zu den größten Gesundheitsrisiken für die Honigbiene. Sie schädigt die Bienen nicht nur direkt, sondern begünstigt und überträgt auch Virusinfektionen. Besonders problematisch ist eine hohe Belastung während der Aufzucht jener langlebigen Winterbienen, die das Volk bis zum Frühjahr tragen sollen.
Wird erst sehr spät behandelt, kann eine Verringerung der Milbenzahl die bereits entstandenen Schäden an den Winterbienen nicht rückgängig machen. Die Kontrolle und rechtzeitige Behandlung nach der Honigernte gehören daher zu den wichtigsten Schritten beim Einwintern.
Wie lässt sich der Varroabefall feststellen?
Je nach Betriebsweise kommen unterschiedliche Methoden infrage:
-
Kontrolle des natürlichen Milbenfalls auf einer Diagnosewindel,
-
Puderzuckermethode,
-
Alkohol- oder Seifenwaschung einer definierten Bienenprobe,
-
Kontrolle des Milbenfalls und der Wirksamkeit nach einer Behandlung.
Das Ergebnis muss immer passend zur verwendeten Methode, zur Jahreszeit, zur vorhandenen Brut und zu den regionalen Empfehlungen beurteilt werden. Eine einzige pauschale Grenze für den täglichen Milbenfall ist nicht für jede Situation geeignet.
Wie wird die passende Behandlung ausgewählt?
Die Wahl hängt von mehreren Faktoren ab:
-
Ist verdeckelte Brut vorhanden?
-
Welche Temperaturen werden während der Anwendung erwartet?
-
Wie hoch ist der gemessene Befall?
-
Befinden sich Honigräume für die Gewinnung von Speisehonig auf den Völkern?
-
Welche Tierarzneimittel sind aktuell in Österreich zugelassen und verfügbar?
-
Welche Dosierung, Anwendungsdauer und Wartezeit nennt die Packungsbeilage?
Verwenden Sie ausschließlich zugelassene Tierarzneimittel und für Bienen vorgesehene Präparate. Dosierung, Anzahl der Anwendungen, Abstände, zulässiger Temperaturbereich und Anwendungsdauer richten sich immer nach dem konkreten Produkt. Die Nennung eines Wirkstoffs allein reicht nicht aus, um ein Behandlungsschema festzulegen.
Aktuelle fachliche Informationen zur Milbe und zu den Behandlungsmöglichkeiten bietet die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit auf ihrer Seite zur Varroamilbe. Bei Unsicherheit sollten Sie eine fachkundige Tierärztin oder einen fachkundigen Tierarzt hinzuziehen.
Warum verdeckelte Brut entscheidend ist
Kontaktbehandlungen, die gegen Milben auf erwachsenen Bienen wirken, erreichen die unter den Zelldeckeln sitzenden Milben in der Regel nicht. Auch eine Begasung dringt nicht zuverlässig in verdeckelte Brutzellen ein.
Die Wirksamkeit einer Methode hängt deshalb wesentlich von der vorhandenen Brutmenge ab. Oxalsäure ist vor allem in einer brutfreien Phase sinnvoll, sofern ein dafür zugelassenes Produkt genau nach dessen Gebrauchsinformation angewendet wird.
Kombinieren Sie verschiedene Mittel nicht eigenmächtig. Eine falsche Dosierung oder unkontrollierte Wiederholung kann Bienen gefährden, unerwünschte Rückstände verursachen und die Resistenzentwicklung fördern.
Passende Hilfsmittel und Präparate finden Sie in der Kategorie Behandlung von Bienenvölkern.
3. Die Wintervorräte richtig beurteilen
Bienen heizen im Winter nicht die gesamte Beute. Sie bilden eine Wintertraube, halten darin die notwendige Temperatur und bewegen sich langsam entlang der erreichbaren Vorräte. Befindet sich das Futter zu weit von der Traube entfernt, kann ein Volk trotz voller Waben in einem anderen Beutenbereich verhungern.
Wie kann man den Futtervorrat abschätzen?
Am zuverlässigsten ist eine Kombination mehrerer Methoden:
-
Futterflächen auf den einzelnen Waben kontrollieren und einschätzen,
-
die vollständige Beute wiegen und das Leergewicht des Systems abziehen,
-
das Gewicht mit identischen Beutentypen vergleichen,
-
im Winter die Gewichtsveränderung durch vorsichtiges Anheben von hinten beobachten.
Als grobe Orientierung werden für ein normal starkes Wirtschaftsvolk häufig etwa 15 bis 20 Kilogramm nutzbare Wintervorräte genannt. Dieser Bereich ist keine allgemeingültige Norm. Volksstärke, Winterdauer, Rähmchenmaß, Herbst- und Frühjahrsbrut, Klima und Beutenaufbau verändern den tatsächlichen Bedarf.
Beurteilen Sie deshalb jedes Volk einzeln und kennen Sie möglichst das Leergewicht Ihres Beutensystems. Ausführliche Informationen bietet der Artikel Wie viel Futter braucht ein Bienenvolk für den Winter?.
4. Geeignetes Winterfutter wählen und rechtzeitig füttern
Die Wintervorräte können aus eigenem Honig bestehen, den Sie den Bienen belassen. Fehlende Mengen lassen sich je nach Betriebsweise mit einer Zuckerlösung oder einem fertigen Invertfutter ergänzen. Jede Variante hat eigene Anforderungen.
| Vorrat oder Futter | Vorteil | Darauf ist zu achten |
|---|---|---|
| Eigener Honig | Natürliche Nahrung der Bienen | Nur Honig aus nachweislich gesunden eigenen Völkern verwenden; Zusammensetzung und Lage der Vorräte beurteilen |
| Konzentrierte Zuckerlösung | Bewährte und gut verfügbare Möglichkeit zur Ergänzung | Früh genug füttern, damit die Bienen das Futter abnehmen, bearbeiten und einlagern können |
| Fertiges Invertfutter | Einfache Handhabung und gleichmäßige Zusammensetzung | Auch dieses Futter muss aufgenommen, je nach Produkt weiter eingedickt und eingelagert werden; Herstellerangaben und Hygiene beachten |
| Futterteig oder Fondant | Vor allem als feste Notfütterung bei kaltem Wetter geeignet | Nahe an der Wintertraube platzieren; ersetzt keine rechtzeitig angelegten Wintervorräte |
Darf man Bienen mit Honig füttern?
Verwenden Sie nur Honig aus eigenen, nachweislich gesunden Bienenvölkern. Fremder Honig unbekannter Herkunft kann Krankheitserreger übertragen, darunter Sporen der Amerikanischen Faulbrut.
Nicht jede Honigsorte eignet sich gleich gut für eine lange Überwinterung. Honigtauhonig weist oft einen höheren Anteil an Mineralstoffen und für Bienen schwerer verdaulichen Bestandteilen auf. In Regionen mit langer Winterruhe und wenigen Reinigungsflügen kann er den Verdauungstrakt stärker belasten. Das Risiko hängt jedoch vom Anteil dieses Honigs, vom Klima und vom Winterverlauf ab. Es wäre daher zu pauschal, jeden Honigtauhonig grundsätzlich als ungeeignet einzustufen.
Wie wird eine Zuckerlösung zubereitet?
Für die Auffütterung im Spätsommer oder Herbst wird eine konzentriertere Lösung verwendet als für eine mögliche Frühjahrsreizung. Häufig wird ein ungefähres Gewichtsverhältnis von drei Teilen Zucker zu zwei Teilen Wasser genannt. Die Praxis kann sich je nach Zubereitung, Fütterer und Betriebsweise unterscheiden.
Verwenden Sie sauberen weißen Zucker und hygienisch einwandfreies Wasser. Das Wasser kann erwärmt werden, damit sich der Zucker leichter löst. Die Lösung sollte jedoch nicht unnötig gekocht oder karamellisiert werden. Füttern Sie erst, nachdem sie auf eine sichere Temperatur abgekühlt ist.
Regeln für eine sichere Fütterung
-
Beginnen Sie früh genug, solange die Bienen aktiv sind und das Futter verarbeiten können.
-
Verwenden Sie einen sauberen, dichten Innenfütterer.
-
Passen Sie die Einzelmenge an Volksstärke und Fütterervolumen an.
-
Füttern Sie vorzugsweise abends und verschütten Sie kein Futter am Bienenstand.
-
Verengen Sie das Flugloch bei Räubereigefahr, ohne die notwendige Belüftung zu behindern.
-
Kontrollieren Sie, ob das Volk das Futter tatsächlich abnimmt.
-
Füllen Sie den Brutraum nicht so früh vollständig mit Futter, dass der Königin in der entscheidenden Phase der Platz zum Brüten fehlt.
-
Prüfen Sie nach Abschluss der Fütterung erneut den Gesamtvorrat.
Große Einmalgaben sind nicht automatisch für jedes Volk geeignet. Ein schwächeres Volk kann eine zu große Menge möglicherweise nicht rasch genug abnehmen. Undichte Fütterer und verschüttete Lösung erhöhen zusätzlich die Räubereigefahr.
Futter und passende Ausstattung finden Sie in der Kategorie Futterbehälter und Futter für Bienen.
5. Den Beutenraum rechtzeitig anpassen
Der Winteraufbau muss zur Volksstärke und zum verwendeten Beutensystem passen. Es gibt keine Regel, nach der jedes Volk auf einer bestimmten Anzahl von Rähmchen oder Zargen überwintern muss.
Nehmen Sie nach der letzten Honigernte nicht mehr benötigte Honigräume ab und passen Sie den Raum rechtzeitig an – möglichst bevor die Auffütterung abgeschlossen ist. So können die Bienen ihre Vorräte in jener Konfiguration einlagern, in der sie überwintern sollen.
Berücksichtigen Sie dabei:
-
wie viel Raum die Bienen tatsächlich besetzen,
-
wo sich Brut und Futter befinden,
-
in welche Richtung sich die Wintertraube voraussichtlich bewegt,
-
Größe und Typ der Rähmchen,
-
Aufbau von Boden, Deckel und Belüftung,
-
Empfehlungen des Herstellers für das konkrete Beutensystem.
Bienen erwärmen nicht den gesamten Innenraum wie ein beheiztes Zimmer. Eine Anpassung darf deshalb nicht nur damit begründet werden, dass die Bienen „weniger Raum heizen“ müssten. Ein übermäßig großer oder ungünstig aufgebauter Raum kann jedoch die Verteidigung gegen Schädlinge, die Erreichbarkeit der Vorräte und die Feuchtigkeitsregulierung erschweren.
Im Spätherbst keine unnötigen Wabenverschiebungen
Ein starkes Umordnen des Brutraums nach einem deutlichen Temperaturrückgang kann die natürliche Futteranordnung stören. Passen Sie die Rähmchen während der aktiven Phase und vor Abschluss der Auffütterung an. Später sollten Sie nur eingreifen, wenn ein triftiger Grund besteht und die Bedingungen es erlauben.
Alte dunkle Waben sollten nicht wahllos am Ende des Herbstes entfernt werden. Planen Sie die regelmäßige Wabenerneuerung während der aktiven Saison.
Beuten, Rähmchen und Zubehör finden Sie in der Kategorie Bienenbeuten.
6. Königin und schwache Völker beurteilen
Ein Volk sollte mit einer funktionierenden Königin in den Winter gehen. Das Alter allein ist kein ausreichendes Kriterium. Eine ältere Königin kann noch leistungsfähig sein, während eine junge Königin ebenfalls Probleme haben kann. Wichtiger sind Eier und junge Brut, das Brutbild, das Verhalten des Volkes und seine Entwicklung.
Ein lückenhaftes Brutbild bedeutet nicht automatisch, dass die Königin ausgetauscht werden muss. Mögliche Ursachen sind Varroa, Bruterkrankungen, Pollenmangel, ausgeprägtes Hygieneverhalten oder ungünstige Umweltbedingungen. Zuerst muss die Ursache geklärt werden.
Ein notwendiger Königinnenwechsel sollte mit genügend Vorlauf erfolgen. Im späten Herbst sind die Möglichkeiten begrenzt, und die Annahme einer neuen Königin kann unsicherer sein.
Wann sollten schwache Völker vereinigt werden?
Ein kleineres Volk ist nicht automatisch verloren. Gleichzeitig eignet sich nicht jedes schwache Volk für eine eigenständige Überwinterung. Eine feste Mindestzahl besetzter Waben lässt sich nicht auf alle Rähmchenmaße und Zeitpunkte übertragen.
Klären Sie vor einer Vereinigung:
-
Warum ist das Volk schwach geworden?
-
Gibt es Anzeichen einer ansteckenden oder parasitären Erkrankung?
-
Ist eine funktionierende Königin vorhanden?
-
Verfügt das Volk über genügend gesunde Bienen und Futter?
-
Welches Volk und welche Königin sollen erhalten bleiben?
Vereinigen Sie ausschließlich gesunde Völker. Ein krankes oder verdächtiges Volk darf nicht einem gesunden zugesetzt werden, weil dadurch Krankheitserreger verbreitet werden können. Bei Unsicherheit sollten Sie erfahrene Imkerinnen oder Imker beziehungsweise eine Tierärztin oder einen Tierarzt hinzuziehen.
7. Die Beute gegen Feuchtigkeit, Wind und Schädlinge sichern
Bienen vertragen Kälte besser als dauerhafte Feuchtigkeit und direkten Luftzug. Ziel ist keine hermetisch geschlossene Beute, sondern ein stabiler, trockener Aufbau ohne eindringenden Niederschlag und ohne Kondenswasser, das direkt auf die Wintertraube tropft.
Dach, Zargen und Stand kontrollieren
Das Dach muss unbeschädigt und dicht sein. Die Zargen sollen sauber aufeinanderliegen, dürfen nicht wackeln und keine unerwünschten Spalten bilden. Stellen Sie die Beute auf einen stabilen Stand und nicht dauerhaft in nassen Boden.
An einem windigen Standort sollten Dach oder Beutenaufbau mit einem geeigneten Gurt gesichert werden. Die Befestigung darf die Beute nicht beschädigen und muss notwendige Kontrollen weiterhin ermöglichen.
Die Belüftung an das Beutensystem anpassen
Es gibt keine allgemeine Regel, nach der ausschließlich oben oder ausschließlich unten belüftet werden muss. Entscheidend sind Boden, Deckel, Dämmung, Flugloch und die lokale Feuchtigkeit.
Beachten Sie folgende Grundsätze:
-
Flugloch und vorgesehene Lüftungsöffnungen müssen frei bleiben.
-
Niederschlag darf nicht von oben eindringen.
-
Ein direkter Luftzug durch die Wintertraube ist zu vermeiden.
-
Die Dämmung muss zum Aufbau der Beute passen.
-
Kondenswasser und Schimmel sind regelmäßig zu beobachten.
-
Bei offenem Gitterboden gelten die Vorgaben des Systems und die Erfahrungen am Standort.
Eine leichte Neigung der Beute nach vorne kann bei manchen Konstruktionen den Wasserabfluss unterstützen. Sie darf jedoch weder die Stabilität beeinträchtigen noch den Herstellerangaben widersprechen.
Schutz vor Mäusen
Mit sinkenden Temperaturen suchen Mäuse trockene, geschützte Plätze. Bringen Sie rechtzeitig ein zur Beute passendes Mäusegitter an oder verkleinern Sie das Flugloch auf geeignete Weise.
Die genaue Öffnungshöhe hängt von der Beute und dem verwendeten Schutz ab. Der Eingang muss Schädlinge abhalten, gleichzeitig aber den Durchgang der Bienen, das Entfernen toter Bienen und eine ausreichende Belüftung ermöglichen.
Geeignete Lösungen finden Sie in der Kategorie Schutz vor Schädlingen.
Wie unterscheidet sich das Einwintern je nach Beutensystem?
Die biologischen Bedürfnisse der Bienen sind gleich, der technische Aufbau hängt jedoch vom verwendeten System ab.
| Beutensystem | Darauf ist zu achten |
|---|---|
| B und B10 | Anzahl der Rähmchen und Zargen an die Volksstärke anpassen; erreichbare Vorräte oberhalb und seitlich der Wintertraube kontrollieren |
| Langstroth | Die Höhe des verwendeten Rähmchenmaßes und das Gesamtgewicht berücksichtigen; der Futterbereich muss an die erwartete Bewegung der Wintertraube anschließen |
| Dadant | Vorräte auf den großen Brutraumwaben und in eventuell genutzten Honigraumzargen beurteilen; den Aufbau nicht ungeprüft von einem anderen System übernehmen |
| Andere Magazinbeute | Aufbau von Boden und Deckel, Rähmchenmaß, Volksstärke sowie ein regional bewährtes Vorgehen berücksichtigen |
Es ist nicht sinnvoll, jedem Volk pauschal zwei Zargen oder eine feste Zahl von Waben vorzuschreiben, ohne seine Stärke und das konkrete Beutensystem zu kennen.
Zeitplan nach Entwicklungsphase
Orientieren Sie sich am Verlauf der Saison statt nur an festen Kalenderdaten:
| Phase | Wichtigste Arbeiten |
|---|---|
| Unmittelbar nach der letzten Honigernte | Grundkontrolle, Vorräte einschätzen, Varroa überwachen, nicht benötigte Honigräume abnehmen |
| Spätsommer und Frühherbst | Behandlung nach Befund und Gebrauchsinformation, Vorräte ergänzen, Futterabnahme prüfen, Königin und Volksstärke beurteilen |
| Vor anhaltender Kälte | Raum fertig anpassen, Gewicht, Dach, Stabilität, Flugloch und Mäuseschutz kontrollieren |
| Während des Winters | Stand äußerlich prüfen, Flugloch freihalten, Gewichtsverlust verfolgen und bei bestätigter Futterknappheit festes Notfutter geben |
| Erster geeigneter Termin im Frühjahr | Vorräte und Zustand kurz prüfen, ohne das Volk auszukühlen; vollständige Durchsicht erst bei passender Witterung |
Wetter und Volkszustand haben Vorrang vor dem Kalender. In kalten Regionen muss die Flüssigfütterung früher beendet werden. Ein milder Herbst kann dagegen Flugaktivität und Brutphase verlängern.
Bienen im Winter richtig kontrollieren
Mit dem Einwintern endet die Betreuung nicht. Winterkontrollen sollten ruhig, kurz und möglichst ohne Eingriff in das Volk erfolgen.
Kontrolle von außen
Prüfen Sie regelmäßig:
-
ob Wind das Dach verschoben oder die Beute geneigt hat,
-
ob Wasser in die Beute eindringt,
-
ob Schnee, Eis oder viele tote Bienen das Flugloch blockieren,
-
ob Mäuse, Vögel oder andere Tiere Schäden verursacht haben,
-
ob sich bei milder Witterung eine angemessene Flugaktivität zeigt.
Schnee auf dem Dach ist nicht automatisch ein Problem, solange Lüftungsöffnungen frei bleiben und das Gewicht die Beute nicht gefährdet. Vermeiden Sie beim Entfernen Erschütterungen und Schläge.
Vorräte ohne Öffnen kontrollieren
Das Gewicht lässt sich durch vorsichtiges Anheben von hinten oder durch Wiegen beurteilen. Besonders wichtig ist die Entwicklung über mehrere Kontrollen. Wird die Beute deutlich leichter, muss das Risiko einer Futterknappheit geprüft werden.
Eine dünne Flüssigfütterung ist bei kaltem Wetter keine pauschale Notlösung. Besser geeignet ist ein für Bienen vorgesehenes festes Futter, das entsprechend der Beutenkonstruktion möglichst nahe über der Wintertraube platziert wird. Öffnen Sie die Beute nur kurz und erst, wenn die Notwendigkeit bestätigt ist.
Die Wintertraube nicht unnötig stören
Klopfen Sie nicht gegen die Beute und öffnen Sie sie nicht nur, um zu prüfen, ob das Volk lebt. Störungen erhöhen den Futterverbrauch und können den Sitz der Wintertraube beeinträchtigen. Eine ausführliche Kontrolle gehört in eine geeignete Wetterphase, sofern keine akute Gefahr besteht.
Häufige Fehler beim Einwintern
Varroa zu spät behandeln
Sind die Winterbienen bereits während ihrer Entwicklung geschädigt worden, kann eine späte Behandlung ihre Kondition nicht wiederherstellen. Planen Sie Überwachung und Maßnahmen nach der Honigernte und kontrollieren Sie anschließend die Wirksamkeit.
Behandlung nach einem pauschalen Internetrezept
Dosierungen und Termine unterscheiden sich je nach Präparat, Temperatur und Brutstatus. Maßgeblich sind immer die aktuelle Zulassung und die Gebrauchsinformation des konkreten Tierarzneimittels.
Futter nur nach Gefühl beurteilen
Die Einschätzung, eine Beute sei „schwer genug“, kann täuschen. Ermitteln Sie ein Referenzgewicht für Ihr Beutensystem und prüfen Sie die Vorräte nach der Fütterung erneut.
Zu späte Flüssigfütterung
Bei niedrigen Temperaturen nehmen Bienen die Lösung langsamer oder gar nicht mehr ab. Das Futter kann dann nicht rechtzeitig verarbeitet und eingelagert werden.
Fütterung mit Honig unbekannter Herkunft
Fremder Honig kann gefährliche Krankheitserreger übertragen und gehört nicht in die Fütterung.
Verschüttetes Futter und zu großes Flugloch
In einer trachtlosen Zeit kann der Geruch von süßem Futter Räuberei auslösen. Fütterer müssen dicht sein und der Bereich um die Beuten sauber bleiben.
Spätes Umhängen von Waben
Eine umfangreiche Veränderung nach Eintritt kühler Witterung kann die Wintertraube von den Vorräten trennen. Passen Sie den Raum rechtzeitig in der aktiven Phase an.
Vereinigung ohne Gesundheitskontrolle
Das Vereinigen eines kranken und eines gesunden Volkes kann eine Erkrankung verbreiten. Klären Sie zuerst die Ursache der Schwäche.
Hermetisches Verschließen der Beute
Eine vollständig abgedichtete Beute kann die Feuchtigkeit erhöhen. Die Beute soll vor Regen und direktem Zug geschützt sein, aber eine zum System passende Belüftung behalten.
Zu häufige Winterkontrollen
Unnötiges Öffnen kühlt den Innenraum aus und stört den Winterzustand. Die meisten Kontrollen lassen sich von außen durchführen.
Checkliste vor dem Winter
Prüfen Sie zum Abschluss der Herbstarbeiten bei jedem Volk:
-
Ich habe nach der Honigernte Volksstärke, Brut, Königin und Vorräte kontrolliert.
-
Ich habe den Varroabefall mit einer geeigneten Methode überwacht.
-
Ich habe ausschließlich ein aktuell zugelassenes Präparat nach Gebrauchsinformation verwendet.
-
Ich habe die Wirksamkeit der Maßnahme kontrolliert.
-
Das Volk verfügt über ausreichend geeignetes und erreichbares Futter.
-
Flüssigfutter wurde rechtzeitig gegeben.
-
Der Winterraum passt zur Volksstärke und zum Beutensystem.
-
Bei einem schwachen Volk wurde zuerst die Ursache geklärt.
-
Das Dach ist dicht und die Beute steht stabil.
-
Flugloch und Lüftungselemente sind funktionsfähig.
-
Der Eingang ist gegen Mäuse gesichert.
-
Die Beute ist bei Bedarf gegen starken Wind befestigt.
-
Die Gewichtsentwicklung wird im Winter kontrolliert.
-
Alle Behandlungen und wichtigen Feststellungen sind dokumentiert.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Futter braucht ein Bienenvolk im Winter?
Für ein starkes Volk werden häufig ungefähr 15 bis 20 Kilogramm nutzbare Wintervorräte als Orientierung genannt. Das ist keine allgemeingültige Vorgabe. Klima, Volksstärke, Winterdauer, Rähmchenmaß, Brutentwicklung und Beutenaufbau verändern den Bedarf. Am zuverlässigsten ist es, das Leergewicht der eigenen Beute zu kennen und den Vorrat nach der Auffütterung zu wiegen oder fachgerecht zu schätzen.
Wann beginnt die Vorbereitung auf den Winter?
Unmittelbar nach der letzten geplanten Honigernte. Kontrollieren Sie zuerst Gesundheit und Vorräte. Danach folgen Varroamanagement, Fütterung und die Anpassung des Beutenraums. Warten Sie nicht auf den ersten Frost.
Welches Verhältnis von Zucker und Wasser wird im Herbst verwendet?
Für die Auffütterung wird häufig eine konzentriertere Lösung mit ungefähr drei Gewichtsteilen Zucker und zwei Gewichtsteilen Wasser verwendet. Wichtiger als die Zahl allein sind saubere Zutaten, eine korrekte Zubereitung, das Abkühlen und die rechtzeitige Fütterung.
Können Bienen auf eigenem Honig überwintern?
Ja. Honig aus einem eigenen gesunden Volk ist die natürliche Nahrung der Bienen. Menge, Lage und Zusammensetzung der Vorräte müssen jedoch passen. Honig unbekannter Herkunft sollte wegen des Risikos einer Krankheitsübertragung nicht verfüttert werden.
Ist Honigtauhonig für die Überwinterung geeignet?
Er kann vor allem in langen Wintern ohne Reinigungsflug problematischer sein, weil er oft mehr Mineralstoffe und schwerer verdauliche Bestandteile enthält. Das Risiko hängt von seinem Anteil, dem örtlichen Klima und dem Winterverlauf ab. Es ist jedoch nicht richtig, jeden Honigtauhonig unter allen Bedingungen als völlig ungeeignet einzustufen.
Soll die Beute vollständig gedämmt und abgedichtet werden?
Nein. Die Beute muss vor eindringendem Wasser und direktem Luftzug geschützt sein, benötigt aber eine funktionierende, zum System passende Belüftung. Ein falsches Abdichten kann Feuchtigkeit und Kondensation verstärken.
Wie erkenne ich im Winter einen Futtermangel?
Beobachten Sie das Gewicht durch Anheben oder Wiegen und vergleichen Sie den Verlauf. Öffnen Sie die Beute nicht unnötig. Bei bestätigter Gefahr kann in der Kälte geeignetes festes Futter nahe der Wintertraube aufgelegt werden.
Soll man im Winter Zuckerlösung füttern?
Eine dünne Flüssigfütterung ist bei Kälte keine geeignete allgemeine Notmaßnahme. Bei kritischem Futtermangel ist Futterteig oder Fondant nahe der Wintertraube meist besser geeignet. Eine flüssige Reizfütterung gehört nur in passende Frühjahrsbedingungen und muss einen klaren Zweck haben.
Kann man zwei schwache Völker vereinigen?
Ja, wenn beide gesund sind und der Zeitpunkt sowie die biologische Situation passen. Vorher müssen die Ursache der Schwäche und die Königinnenfrage geklärt werden. Ein krankes oder verdächtiges Volk darf nicht mit einem gesunden vereinigt werden.
Wie oft muss im Herbst gegen Varroa behandelt werden?
Es gibt keine Anzahl, die für jedes Mittel gilt. Anwendungen und Abstände ergeben sich aus der Gebrauchsinformation des zugelassenen Tierarzneimittels, dem Temperaturbereich, der Brutmenge und den Ergebnissen der Befallskontrolle. Ein Behandlungsschema darf nicht von einem anderen Produkt übernommen werden.
Erreicht eine Begasung die Milben in verdeckelter Brut?
Nicht zuverlässig. Unter den Zelldeckeln sitzende Milben sind vor der Kontaktwirkung geschützt. Deshalb müssen Brutstatus und Gebrauchsinformation des konkreten Präparats bei der Planung berücksichtigt werden.
Fazit
Eine gute Überwinterung ist das Ergebnis mehrerer richtig getroffener und rechtzeitig umgesetzter Entscheidungen. Ein Volk braucht gesunde Winterbienen, einen kontrollierten Varroabefall, eine funktionierende Königin, genügend erreichbares Futter sowie eine stabile Beute ohne eindringende Nässe und Schädlinge.
Die wichtigsten Arbeiten erfolgen schon nach der letzten Honigernte. Eine große Futtermenge kann einen schlechten Gesundheitszustand nicht ausgleichen, und selbst eine gut gedämmte Beute hilft nicht bei fehlenden Vorräten. Beurteilen Sie daher jedes Volk einzeln und passen Sie den Ablauf an den eigenen Standort an.
Passende Ausstattung finden Sie in diesen Kategorien:
Zulassungen, veterinärrechtliche Vorgaben und fachliche Empfehlungen können sich ändern. Dieser Artikel ersetzt weder die Gebrauchsinformation eines Tierarzneimittels noch die Beratung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt beziehungsweise aktuelle behördliche Vorgaben.
